Episode #7 „Das müsste mal jemand angehen!“

1. November 2022

Im siebten Teil führt eine im Konjunktiv getätigte Aussage einer Führungskraft zu völliger Unklarheit darüber, was konkret getan werden soll. Jemand ist nicht benannt und müsste, hätte, könnte führt nur in den luftleeren Raum und nicht zur zielorientierten Handlung – vielleicht nehmen Sie was mit, was allen hilft!

Neulich beim Kunden… 

…war ich in einem Lenkungskreis mit einem Bereichsleiter und seiner 2. Managementebene.

Nach Präsentation der Projektzwischenergebnisse viel im Rahmen der anschließenden Diskussion und Abstimmung der nächsten Schritte im Kreis die Aussage: „Das müsste jemand mal angehen!“ Das komplette Kunden-Managementteam stimmt zu – außer mir.

Es schüttelte mich innerlich und ich war sehr überrascht über den soeben geteilten, unpersönlichen und vor allem im Konjunktiv formulierten Luftikuss-Auftrag. Mir kam sofort der Gedanke – Der Konjunktiv ist berühmte Killer des Indikativ!

Was heißt den müsste? Wer ist eigentlich jemand? Und was ist mit „mal“ gemeint? Einmal?

Formulierungen mit müsste, hätte, könnte, würde sind doch völlig unkonkret und jemand kann theoretisch jeder sein und mal klingt brutal laissez fair.

Drum habe ich mir im Kreise der Lenkungskreisteilnehmer ein Frage erlaubt, um der „Jemand-Müsste-Mal-Aussage“ auf den Grund zu gehen.

Mein Frage lautete:

„Wenn jemand aus dem Kreis hier es tun müsste, wievielmal müssten Sie es tun, um Ihr Ziel zu erreichen?“

Ich erntete einige „Hähs“ und unsichtbare Fragezeichen poppten über den Köpfen auf. Daher verleihte ich der Frage Nachdruck und ergänzte:

„Jemand hier könnte auch jemand anderes sein, der aus seiner Sicht es angehen könnte, vielleicht 1, 2 mal und dann würden Sie eventuell sehen ob wir uns dem Ziel nähern würden!“

Die „Hähs“ wurden lauter und die unsichtbaren Fragezeichen über den Köpfen konnte man wahrlich fettgedruckt sehen. Es war kurze Zeit vollkommen still bis es aus einem der Teilnehmer rausplatze: „Das verstehe ich jetzt nicht – was meine Sie damit?“

Ich bedankte mich offiziell für diese Steilvorlage und erläuterte dem Kreis:

„Mit Ihrer Aussage „Das müsste mal jemand angehen!“ geht es mir genauso – ich verstehe nicht was Sie damit meinen!“ Vor allem bin ich verdutzt, dass alle hier mit Teilnehmerkreis der Aussage nichtnachfragend zugestimmt haben, obwohl keiner hier weiß wer jemand ist, müsste auch tatsächlich geschehen soll und die Wortwahl „mal“ sichtlich keine klare Initiative oder Kontinuität ausdrückt.

Die Manger teilten sich gegenseitige Blicke mit kopfabwägenden (ungläubigen) Bewegungen.

Ich fuhr mit meiner Interpretation der Situation fort und bot folgende Empfehlung an.


„Was halten Sie davon, dass wir jemanden konkret namentlich benennen und aus dem müsste mal eine klare Aufgabe formulieren die dem Ziel näher kommt?“

Übrigens ein wesentliches Element in einem Lenkungskreis ist es doch zu denken und zu lenken!

  1. Wir denken gemeinsam über die nächsten entscheidenden Fortschritt auf Basis der aktuellen Zwischenergebnisse nach
  2. Wir entscheiden, wie wir den Fortschritt in die richtige Richtung zum gewünschten Ziel-Zustand lenken, um uns auf das richtige Hindernis zu fokussieren und nicht auf irgend eines abseits des Ziel-Korridors!

Dazu gehört vor allem Klarheit und kein Konjunktiv!

Im Indikativ wird klar formuliert – Wer soll WAS als nächstes tun? Das WIE sollten Sie in agilen Prozessen nicht vorgeben, um die Kreativität und den Gestaltungsspielraum des Teams nicht einzuengen, sonst reden wir vom Imperativ!

Kleiner Tipp an dieser Stelle – achten Sie darauf, dass der Zielschritt im Kern das WARUM enthält. Das WARUM lenkt die Beteiligten auf Werte und untermauert  eine nutzenorientierte Motivation im Team. Beispiel: „Der Schritt ist wichtig für uns, weil wir dadurch lernen wie…“ Der Wert ist hier „Lernen“.

Mein Aufruf an alle Führungskräfte:

Eine klare Formulierung dessen was angegangen und erzielt werden soll ist unabdingbar! Es ist sinnvoll Ziel-Zustände im Team gemeinsam zu erarbeiten. Gleichsam sind die Mitarbeiter im Team aufgefordert die Formulierungen zu hinterfragen, um daraus mehr Verständnis für Fortschrittsaktivitäten zu erzeugen.
Es ist auch viel motivierender, wenn man sich selber Ziele setzt!

Jemand ist somit eine konkret benannte, verantwortungsannehmende Person oder ein Team.

„Müsste“ wir ersetzt durch „wir planen“ oder „wir arbeiten“, nur mit eindeutigen TU-Wörtern kommen wir ins MACHEN.

Das „mal“ wird am liebsten gestrichen oder durch den klaren Hinweis auf einen Test oder ein Experiment ausgedrückt, um daraus wiederum zu lernen, was im darauffolgenden Schritt notwendig ist.

Last but not least – Es wäre schön, wenn jemand von Ihnen mal darüber nachdenken würde, was Sie besser tun müssten, damit Sie konkreter in Ihren Formulierungen sein könnten. Viel Erfolg!

  

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