Episode #8 „Das habe ich immer schon gesagt!

20. Dezember 2022

In Teil 8 führt ein negatives Denkmuster dazu, dass eine Vorhersage des Scheiterns auch wahrhaftig eintritt und zum Vertrauensverlust im Team führt. Die Herausforderung ist es, diesen Denkansatz so zu verändern, dass Misserfolge als Lernerfolge anerkannt werden – hören Sie selbst, warum Mut ein so wichtiger, agiler Wert ist!

Neulich beim Kunden… 

 …war in einem Reviewmeeting mit mehreren Teamleitern und wir gingen gemeinsam, die für den letzten Zyklus terminierten  Optimierungen verschiedener Produktionsprozessschritte durch.

Dabei bestätigte sich durch das eine oder andere Experiment, dass nicht alle angedachten Prozessänderungen zum gewünschten Erfolg geführt haben und bei der Vorstellung der Negativ-Erfahrungen wurde einer der Teamleiter verbal auffällig durch den immer wiederkehrenden Hinweis „Das habe ich immer schon gesagt!“.

Das kam im gesamten Team nicht gut an und wurde sogar beim wiederholten Male gekontert mit der Aussage: „Wenn Du das doch schon alles gewusst hast, warum haben wir die Experimente denn dann überhaupt durchgeführt?“ Und wieder folgte, habe ich doch immer schon gesagt. Das klang nach „self-fulfilling prophecy“.

Komischerweise waren mehr Experimente, die nicht zum Ziel geführt haben, bei dem einen Teamleiter, der schon immer gesagt hat, dass das nichts bringt, als bei den anderen Teamleitern. Vor allem auch Optimierungen, die bei den anderen zur Verbesserung geführt haben, haben bei dem einen Teamleiter nicht dazu geführt. Komisch dachte ich!

Dem wollte ich auf den Grund gehen und hinterfragte Ihn nach dem Meeting unter 4-Augen:

„Wie ist es Ihnen gelungen Ihre Vorhersage zu erfüllen?“ Er fragte zurück“ Welche Vorhersage?“ „Na Sie haben doch schon immer gesagt, dass die Prozessoptimierungen nichts bringen!“

„Ja, hat sich doch bestätigt“ erwiderte er. Ich schwenkte um auf eine andere Frage „Was glauben Sie führt zum Erfolg?“. Er antwortet spontan „Keine Ahnung“. „Ok“ sagte ich, „dann wissen Sie es nicht?“ „Nein!“ sagte er. „Aber wie konnten Sie wissen, dass die Experimente nicht zu Verbesserungen führen?“

Er stottert kurz und lenkte etwas entgegenkommend ein mit den Worten „war so ein Gefühl!“.

„Ein Gefühl?“ fragte ich und er ergänzte „Ich war nicht überzeugt davon, dass mein Team das hinbekommt!“ Ups, damit hatte ich nicht gerechnet.

Es fehlte also eindeutig das Vertrauen in das eigene Team die Experimente auch zielgerichtet durchzuführen, es steckte aber wohl noch mehr dahinter, daher erläuterte ich Ihm folgenden Gedankenansatz: „Diejenigen, die jemanden etwas zutrauen, werden daraus etwas lernen!“ Der Teamleiter war stutzig und fragte nach. „Aber was soll man daraus lernen, wenn man denkt, dass es nicht gelingt“.

Aha, dachte ich, hier steckt also der Hase im Pfeffer. „Genau hier ist das Hindernis“ erwiderte ich. „Ihr Denkansatz führt dazu“ – hier steckt übrigens das Wort Führen drin – „dass Ihr Team der Mut fehlt auch schwierige Hindernisse bzw. Leistungshürden zu meistern. Durch Ihre negative Vorhersage des Scheiterns und die damit einhergehende Assoziation des Nicht-Vertrauens in Ihr Team, wird es auch scheitern, obwohl es gelingen kann, wie bei anderen Teamleiter-Kollegen zu sehen ist!“ Der Teamleiter kratzte sich am Kopf und nickte: „Ja“ sagte er leise „Sie meinen also ich sollte dem Team gut zureden, auch wenn es schief geht!“

„Ja, jetzt haben Sie es!“ antwortete ich „es sind im Rahmen von Optimierungsaktivitäten Experimente auch dafür da, dass diese nicht zum Ziel führen. Das sollten wir im Team immer als Erfolg verzeichnen!“ „Aber, wenn es nicht zum Ziel führt, wie kann das ein Erfolg sein? Fragte er noch einmal nach. „Ganz einfach anders darüber denken, Misserfolge sind auch Erfolge und zwar Lernerfolge wie es nicht funktionieren kann.“

Hier spielt die Ansprache im Team eine essentielle Rolle, um Mut dafür aufzubauen auch schwierige Dinge systematisch anzugehen. Mut erachte als einen der wichtigsten agilen Werte, um sich überhaupt neuen Herausforderungen zu stellen. Diejenigen, die sich trauen neue Wege einzuschlagen, werde auch entsprechend früh neue Erfahrungen machen und in der Lage sein daraus zu lernen. Dahinter steckt das Prinzip des schnellen Scheiterns und der Ansatz nicht Meinungen zu vertreten sondern Hypothesen aufzustellen und Erkenntnisse zu gewinnen!

Wie war das Zitat im Film „Club der toten Dichter“: Es waren zwei Wege zu gehen und ich nahm den Weg der weniger begangen war!

  

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